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Herz der Insel, Mittelpunkt der Welt und Heimat der Riesen…

 

von Jürgen Mayer

In Sineu haben schon immer die Größten gelebt. Riesen. Um 2.000 vor Christi haben sie eigenhändig die tonnenschweren Steinplatten zu den talayots aufgebaut, zu den Steintürmen. Und dann auch noch das: 1718 hat man, unter einem Grabstein mit unbekannten Schriftzeichen, hinter der Kirche das Skelett eines dieser alten Riesen gefunden – drei Meter groß!

 

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Heute sind das Skelett und der Grabstein verschwunden, unsichtbar. Und auch die Achse, die unsere Welt im Gleichgewicht hält, hat noch niemand gesehen. Trotzdem sind die alten Sineuers fest davon überzeugt, dass diese Achse direkt unter ihrer Kirche liegt. So muss es sein. Schließlich ist Sineu der Mittelpunkt der Welt. „All die Last, all die Verantwortung für das Gleichgewicht der Welt, liegt also auf uns“, sagt man in Sineu.

 

Der größte Schatz der Stadt ist ihre Vergangenheit.

 

Auch diese Geschichte gehört freilich ins Reich der Mythen. Aber auch sie erklärt, warum die Sineuers so stolz sind. Der größte Schatz der Stadt ist ihre Vergangenheit. Vierzig Jahre lang – von 1309 bis 1349 – war Sineu die Hauptstadt Mallorcas. König Jaume II befahl damals, der Königssitz müsse für alle Untertanen gut erreichbar sein. Sineu im Zentrum Mallorcas bot sich dafür geradezu an. Als der König der Stadt auch noch das Marktrecht verlieh, wurde Sineu zum Mittelpunkt für Wirtschaft und Handel. Noch heute ist der Mittwochsmarkt der größte Bauernmarkt der Insel. Noch immer zieht „Sa Fira“, der Frühlingsmarkt am ersten Sonntag im Mai, so viele Besucher an wie kein zweiter auf Mallorca – und das seit mehr als 700 Jahren.

 

Nirgendwo auf der Insel ist Mallorca authentischer als hier. Nirgendwo ist die Vergangenheit dieser Insel lebendiger als in Sineu. Bei einem Spaziergang durch

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Sineus alte Gassen spürt man auf Schritt und Tritt Geschichte. Besonders beeindruckend ist diese Atmosphäre an einem Abend im August, wenn die Gluthitze des Tages nachgelassen hat und die Schatten der alten Steinhäuser lang geworden sind. Die vielen Kreuze und Brunnen in den Gassen wirken in diesem Licht, als wollten sie an jeder Ecke einen neuen Beweis für die reiche Vergangenheit Sineus erbringen.

 

In diesen Abendstunden wirkt die Pfarrkirche Santa Maria noch mächtiger als im grellen Mittagslicht und der Glockenturm noch höher. Sieben Glocken rufen hier zum Gottesdienst. „El León“, der Löwe mit den Flügeln, wacht vor der Kirche auf das Wappen Sineus. Er stellt den heiligen Markus dar, den Schutzpatron des Dorfes, und er hält das Wappen fest in seiner Vorderkralle.

 

Nur zwei Gassen entfernt, an der höchsten Stelle des Dorfes, liegt der alte Königspalast. Seit 400 Jahren leben dort Ordensschwestern. Bis heute. Und im früheren Paulanerkloster findet man heute das Rathaus. Hinter den Mauern findet man einen Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert –  einer der schönsten Spaniens.

 

Bis heute hat Sineu nichts von seiner alten Faszination verloren. Hier schlägt das Herz der Insel. Hier findet man ungewöhnlich viele Restaurants, Bars und Cafes. Und die Gäste kommen immer wieder gerne nach Sineu zurück. Aus allen Teilen der Insel. Schließlich ist man in Sineu genau in der Mitte der Insel. Und mitten in der Geschichte Mallorcas.

 

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Jürgen Mayer
Jahrgang 1964, Moderator (WDR2, Inselradio), Journalist, Autor, Sprecher, lebt seit 9 Jahren in Sineu.
www.juergenmayer.de